Was es für mich bedeutet, meinen Beruf auszuüben

Ich habe mich neulich hingesetzt und nach einem Bild oder Symbol gefragt, das für das stehen könnte, was ich tue.
Ob ich es Naturheilkunde, Traumatherapie oder körperorientierte Arbeit nenne, es geht längst nicht mehr um eine Methode, sondern um einen Prozess.

Vor meinem inneren Auge erschien das Bild einer Tür.

Wie passend, dass eines meiner Lieblingsbilder Die Tür von Helene Schjerfbeck ist. Ihr seht es oben als Bild für diesen Artikel.

Dieses Bild fühlte sich sofort stimmig an. Und gleichzeitig ist mir bewusst, dass jedes Bild, sobald man es in Worte fasst, vereinfacht wird. Aber Worte sind Annäherungen. Und manchmal reichen sie weit genug.

Eine Tür kann vieles bedeuten.

Für manche Menschen taucht sie vielleicht plötzlich auf. In einer Situation, die sich aussichtslos anfühlt.

Eine Tür als Schwelle zu einem Weg, den es bisher nicht gab oder den man noch nicht sehen konnte.

Für andere steht die Tür schon lange da.
Man ist vielleicht sogar ganz nah herangetreten und traut sich doch nicht hindurchzugehen.
Was wird mich erwarten.
Was verliere ich, wenn ich diesen Schritt gehe.
Was, wenn ich das Bekannte verlasse und das Neue mich überfordert.

So menschlich es ist, neugierig zu sein, so menschlich ist es auch, sich festzuhalten. Am Gewohnten. An dem, was man kennt. Oft wünschen wir uns eine Garantie, eine Absicherung, ein Versprechen, bevor wir losgehen. Doch so oft im Leben funktioniert es nicht auf diese Weise.
Ich muss erst den alten Raum verlassen, bevor ich den neuen betreten kann.
Ich muss erst loslassen, bevor etwas anderes entstehen darf.

Und manchmal ist da die Tür, aber kein Schlüssel.

Man erhascht einen Blick durchs Schlüsselloch. Vielleicht wirkt das, was dahinter liegt, sogar verheißungsvoll. Aber wie komme ich hindurch.
Muss ich einen Schlüssel schmieden.
Die Tür aufbrechen.
Das Schloss austauschen.
Oder feststellen, dass der Schlüssel die ganze Zeit schon in meiner Hand lag und ich ihn nur nicht bemerkt habe.

Und ja, manchmal ist da auch Angst.
Was, wenn hinter der Tür etwas wartet, das mich überwältigt.
Was, wenn ich bereue, sie geöffnet zu haben.

Manchmal ist es aber auch so, dass jemand die Tür bereits durchschritten hat, ohne es zu bemerken.
Das Neue ist schon da. Etwas hat sich innerlich verschoben.
Es fehlt nur noch das bewusste Wahrnehmen und das Integrieren dessen, was längst begonnen hat.

In solchen Momenten geht es weniger um einen nächsten Schritt als um Orientierung.
Darum, innezuhalten und zu erkennen, wo man sich eigentlich gerade befindet.
Eine Art Positionsbestimmung, die hilft, das Erlebte einzuordnen und im eigenen Leben anzukommen.

Und manchmal pendeln Menschen zwischen den Räumen, die eine Tür miteinander verbindet.
Ein Teil ist schon im Neuen.
Ein anderer Teil hält noch am Alten fest.
Beides formt Realität.

Diese Zwischenräume brauchen oft besondere Aufmerksamkeit.
Nicht, um eine Entscheidung zu erzwingen, sondern um Verbindungen entstehen zu lassen.
Zwischen dem, was war, und dem, was sich zeigen möchte.
Zwischen zwei Welten, die miteinander in Beziehung treten wollen.

Gehen muss jede und jeder diesen Weg selbst. Niemand kann für einen anderen durch die Tür gehen. Der Weg zu mehr Gesundheit, zu mehr Ganzheit, zu mehr innerer Wahrheit liegt in jedem Menschen selbst.

Aber da zu sein.
Neben jemandem zu bleiben, der zögert.
Wahrzunehmen, wo jemand gerade ist.
Und vielleicht dabei zu helfen, dass der nächste Schritt möglich wird, ohne ihn zu erzwingen.

Das ist es, was meine Arbeit für mich bedeutet.

Nicht zu führen.
Nicht zu drängen.
Sondern Türzeigerin zu sein.
Manchmal auch Türöffnerin.