Warum ich einen Audiokurs mache, und was das mit Raum zu tun hat
Es gibt eine Beobachtung, die ich immer wieder mache… bei meinen Patienten und Patientinnen, und natürlich auch bei mir selbst:
Da ist jemand, der sehr viel weiß. Über sich. Über Zusammenhänge. Über das eigene Muster. Jahre der Reflexion, der bewussten Arbeit an sich, der Therapie vielleicht. Und trotzdem läuft irgendwo im Hintergrund dasselbe Programm weiter. Immer noch.
Der Kopf versteht, aber der Körper hat die Nachricht noch nicht erhalten.
Du denkst, das sei Versagen? Das ist einfach Biologie.
Verstehen allein reicht nicht
Das Nervensystem lernt nicht durch Einsicht. Es lernt durch Erfahrung. Durch Wiederholung. Wiederholung. Wiederholung. Durch kleine, gelebte Momente, in denen etwas anders ist als sonst. Und gelebt ist in diesem Zusammenhang für mich das Gegenteil von automatisiert.
Und genau darum habe ich diesen Audiokurs gemacht.
Alte Muster können sich auflösen, wenn eine neue Erfahrung stattfindet. Und eine Erfahrung ist mehr als etwas im Kopf zu verstehen. Vielleicht ist es sogar etwas komplett anderes.
Von dieser Erfahrung aus kann eine grundsätzlich neue Ausrichtung geschehen. Der Körper ist ständig bemüht, sich neu auszurichten. In jedem Moment der Zeit eine neue Balance zu finden. Das empfinde ich wie einen wunderschönen Tanz in unserer (auch) physischen Existenz.
Was ich mit „Raum“ meine
Wenn ich mit Patienten und Patientinnen arbeite, und eigentlich egal ob auf welcher Ebene, kann es zu einem bestimmten Punkt im Erleben kommen.
Nicht unbedingt eine große Erkenntnis, obwohl auch das sein kann. Nicht ein dramatischer Durchbruch.
Sondern: Raum. Ruhe. Eine bestimmte Art von Frieden oder Angekommen Sein.
Aber ist nicht fast alles Bahnbrechende leicht und selbstverständlich? Plötzlich ist man da und kann sich von einem Moment auf den anderen kaum noch erinnern, wie es vorher war.
Raum, nicht Distanz. Das ist wichtig. Raum in mir selbst. Eine leise Bewegung darinnen. Raum zwischen mir und anderen, zwischen mir und Ereignissen.
Viktor Frankl, der berühmte Holocaust-Überlebende, drückte es so aus:
Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.
Die Möglichkeit zu wählen wird so erschaffen.
Eigentlich war sie natürlich schon immer da. Aber wir konnten sie nicht wahrnehmen, sie war uns nicht zugänglich.
Du wirst feststellen; jetzt kannst du dir selbst anders begegnen. Dich selbst mit Wohlwollen sehen. Du kannst anders reagieren.
Was unspektakulär klingt, fühlt sich für die meisten wie ein tiefgreifender Wandel an. Denn in diesem Raum liegt etwas, das vorher nicht zugänglich war: die Möglichkeit zu wählen. Anders zu reagieren. Sich selbst zu begegnen, ohne sofort zu bewerten.
Ein konkreter Moment
Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Patientin, ich kürze ihren Namen hier mit M. ab, die zu mir kam, nachdem sie schon Jahre an sich sehr konsequent gearbeitet hatte. Sie war klug, sehr reflektiert, empathisch, und hatte alles an ihrer Geschichte genau durchdrungen. Nicht nur intellektuell; sie hatte ein tiefes Verständnis entwickelt. Und doch sagte sie: „Ich habe alles verstanden, aber es nützt mir nichts. Ich kann meine Reaktionen trotzdem nicht abstellen, obwohl ich so gerne würde.“
Wir arbeiteten eine Weile miteinander. In etwas anderen Gesprächen, und auch mit dem Körper. Mit Kontakt. Mit einem anderen Blickwinkel. Mit Vertrauen. Mit Stille. Mit sehr kleinen Momenten der Wahrnehmung.
Und dann passierte in einer Sitzung etwas. Nichts Dramatisches. Sie lag noch auf der Liege, nachdem wir Cranio gemacht hatten, und sie war eine ganze Weile still. Und sagte dann: „ich bin gerade ganz anders da. Ganz neu, und doch scheint es mir so vertraut.“
Das war alles, und wir ließen die Sitzung auch dort stehen. Es war kein dramatischer Durchbruch, sie hatte keine Tränen oder irgendwelche großen Erkenntnisse. Nur dieses Einfache, für das sie diese Worte fand.
Einige Zeit später sagte sie mir, dass sich von diesem Moment an etwas neu ausrichtete, ganz von selbst. Dass das nicht schnell ging, und nicht auf einmal. Sondern sich über einen Zeitraum setzte und sie sich seither anders dem Leben gegenüber ausgerichtet fühlte.
Host yourself: wie begegne ich mir selber?
Im Art of Hosting gibt es den Begriff „host yourself“.
Umsorge dich selbst wie einen Gast. Mit Aufmerksamkeit. Mit Interesse. Ohne Erwartung, dass der Gast sich anders verhält als er ist. Mit Freude darüber, dass der Gast da ist.
Das ist für viele von uns das Schwerste überhaupt!
Das scheint so schwer, weil wir gelernt haben in erster Linie zu funktionieren. Zu leisten. Zu reagieren. Der Körper läuft im Funktionsmodus. Und wir mögen das erst merken, wenn er laut und immer lauter wird.
Ich denke, genau das ist ein sehr wichtiger Teil von Selbstverbundenheit.
Warum Audio?
Ich wurde gefragt: Warum ein Audiokurs? Warum nicht ein Buch, ein Workshop, ein Online-Seminar?
Die Antwort liegt für mich auf der Hand, und hat mit dem zu tun, was ich oben beschrieben habe:
Ein Text spricht den Kopf an. Ein Vortrag auch. Aber eine Stimme: eine, die direkt in dein Ohr spricht, während du die Augen geschlossen hast , oder während du dich anders im Raum orientierst, erreicht etwas anderes. Sie geht förmlich an den Gedanken vorbei. Sie landet im Körper, bevor der Verstand sie einordnen kann.
Als Sängerin weiß ich, dass Klang und Stimme etwas in uns berühren, für das wir keine Worte haben. Als Therapeutin erlebe ich täglich, wie viel im Körper passiert, wenn jemand einfach nur gehört wird: nicht analysiert, nicht bewertet, nur begleitet.
Genau das versuche ich in diesem Kurs. Ich spreche nicht zu deinem Kopf. Ich spreche mit einer anderen Instanz in dir und mit deinem Nervensystem.
Und an zwei Stellen im Kurs summe ich einen Ton. Kein Lied, keine Melodie. Nur Klang, der trägt. Einmal zur Beruhigung, einmal zur Aktivierung. Auch das ist keine Technik. Es ist eine direkte Einladung an deinen Körper.
Ein erster Schritt
Dieser Audiokurs ist keine Selbstoptimierung. Er ist keine Anleitung, ruhiger oder besser oder produktiver zu werden.
Er ist eine Einladung, sieben Tage lang kurz innezuhalten. Den Körper wahrzunehmen. Zu merken, wann man nicht mehr bei sich ist, und zu erleben, wie Rückkehr sich anfühlt.
Wenn man es in dem Moment ausprobieren möchte. Auch da gibt es kein Richtig und kein Falsch.
Ich begleite dich dabei mit meiner Stimme; als Therapeutin und als Sängerin. Denn ich glaube, ich meine ganz fest zu wissen, dass Klang etwas im Körper erreicht, wo Worte allein nicht hinkommen.
Der Kurs heißt „In Beziehung mit dir“. Es geht darum, dem eigenen Erleben mit einer annehmenden Haltung zu begegnen. Diese Haltung ist die Tür zu einem Raum.
Und als ersten Schritt möchten wir diese Tür aufstoßen. Oder uns ihrer erst mal gewärtig werden. Oder auch schon einen ersten Schritt hineintun. Es ist ein erster Kontakt mit dieser Erfahrung. Wir spüren, dass etwas anderes möglich ist.
Auch wenn das im ersten Moment seltsam klingt, bleib kurz damit. Es muss sich nicht sofort erschließen: es geht nicht darum, etwas zu „erreichen“. Genau diese Erwartungshaltung würde die Tür wieder ins Schloss werfen.
Was dich erwartet
Der Kurs besteht aus sieben kurzen Audios, plus zwei Klang-Sequenzen, die zwischendurch erscheinen.
Jede Einheit dauert zwischen fünf und neun Minuten. Du kannst sie morgens hören, abends, in der Mittagspause, oder auch mehrmals am Tag. Du brauchst keinen ruhigen Raum, keine Meditationserfahrung, keine besondere Haltung.
Die sieben Tage folgen einem inneren Bogen:
Wir beginnen damit, einfach anzukommen. Wahrzunehmen, dass du hier bist. Dann erkunden wir, was dich trägt: kleine Bezugspunkte im Körper, die immer schon da sind, aber selten bemerkt werden. Wir schauen, wie Stabilität sich anfühlt; nicht als Zustand, den man halten muss, sondern als etwas, das immer wieder neu entsteht. Wir bleiben mit den Schwankungen, den unruhigen Tagen, den Momenten des Verlorengehens. Und wir üben, zurückzufinden. Leise, ohne Anstrengung, so oft wie nötig.
Sieben Tage sind kein Versprechen. Aber sie können eine Richtung weisen, die du nun kennst. So wie M. es beschrieb: nicht auf einmal, sondern still, über Zeit. Eine Richtung ist mehr als Zustand. Richtung trägt dich weiter. Du musst gar nicht wissen, wohin.
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